|
|
|
|
6. Diese Jugend von heute
(3 Wochen) Nachdem endlich wieder etwas Ruhe eingekehrt war und sich auch die drei Jungs zusammengerissen hatten, konnte ich langsam aufatmen und mich ganz um meine kleine Familie kümmern. Scarlett war mittlerweile zum Kind herangewachsen und ich malte sie immer noch mit Begeisterung. Überhaupt hatte ich festgestellt, dass ich großen Spaß am Kochen und Malen hatte und nutze beides aus, um mich zu entspannen.
Ich ließ mich sogar als selbstständige Malerin registrieren und konnte so einiges im Kommissionslager verkaufen.
Scarlet hingegen hatte sich sehr zu unserer Freude zu einem cleveren Mädchen entwickelt und einen Narren an Kyle, dem Nachbarsjungen gefressen. Tagtäglich spielten die Beiden entweder bei uns oder Adeli, mit der ich mich ebenfalls angefreundet hatte.
So weit so gut. Man könnte meinen, dass nun Friede, Freude, Eierkuchen herrschte, aber weit gefehlt. Denn eines Morgens wurden wir alle aus dem Schlaf gerissen, weil ein ohrenbetäubender Lärm herrschte. Wir rannten alle nach draußen und sahen die Feuerwehr vor Adelis Haus. Sie winkte uns direkt herüber und berichtete, was passiert war.
"Der Herd hat plötzlich Feuer gefangen und ich hab mich nicht getraut ihn zu löschen. Ich wollte Kyle in Sicherheit bringen und dann war das Feuer schon zu groß - oh, mein Gott! Alles ist buchstäblich abgefackelt!" Sie wurde leicht hysterisch.
"Tief durchatmen, Kyle geht es gut und der Schaden ist bestimmt halb so schlimm." Jedenfalls hoffte ich das, denn wir hatten keinen Platz für zwei weitere Personen im Haus. Niemandem von uns Erwachsenen fiel auf, dass Scarlet ebenfalls auf die Straße getreten war. Von der Haustür aus blickte sie entsetzt auf das große Feuer und hatte plötzlich panische Angst, dass genau das auch bei uns passieren konnte. Leider sprach sie nicht mit mir, denn sonst hätte sich das Unheil, welches folgte, vielleicht abwenden lassen.
Die nächsten Tage vergingen wie im Flug und bald hatte ich das Feuer im Haus gegenüber vergessen. Auch Finn und Ben kümmerten sich nicht weiter darum, schließlich wussten wir ja, dass wir gut versichert waren. Einzig Hal - der ja beim letzten kleinen Brand schon halb umgekommen war - machte sich natürlich Sorgen.
Scarlet hörte aufmerksam zu. "Ich habe auch Angst, dass wieder ein Feuer kommt und wir hier alle dann keine Heimat mehr haben."
Hal schluchzte bekümmert. "Wie gut du mich verstehst. Wir müssen wirklich gut aufpassen. Dann passiert schon nichts." Scarlet nickte. "Hoffentlich hast du recht."
Mittwoch morgen - Finn war unterwegs in die Stadt, um neue Noten zu kaufen - fing Ben mich in einem unbeobachteten Moment ab. "Katie, kann ich dich was fragen?"
"Jaaa, was ist denn?", fragte ich und ahnte schon, wo das Gespräch enden würde. Meine Beziehung zu Finn war noch nicht sehr gefestigt. Wir hatten uns zwar ausgesprochen und unsere Liebe gestanden, aber Ben hatte angekündigt, dass er nicht aufgeben würde. Und momentan schien er eine Chance zu sehen. Ich seufzte. "Wenn es um Finn geht, dann..."
"Nein, es geht um dich. Ich sehe doch, dass du nicht glücklich bist und mit mir hast du direkt jemanden vor der Nase, der sich sofort bedingungslos um die kleine Scarlet und dich kümmern würde. Ich würde dich nicht einengen, sondern so akzeptieren wie du bist. Weil ich dich liebe!"
"Ben, ich bin glücklich mit Finn!"
"Wirklich, so siehst du nicht aus... Mein Angebot steht." Damit ließ er mich verwirrt stehen. Wie ich sah nicht glücklich aus? Was meinte er denn damit? Und dann einfach gehen? Typisch Ben! Mir ging es ja schließlich wunderbar, auch wenn ich mir mehr Romantik erhofft hatte, nachdem Finn und ich endlich wieder zueinander gefunden hatten. Aber Scarlet hatte nun einmal alles geändert. Jetzt konnte ich nicht mehr wie ich wollte und das war auch gut so. Selbst ich hatte mittlerweile erkannt, dass Geld nicht alles ist und Scarlet an erster Stelle kam - nicht nur bei mir, sondern auch bei Finn.
Mir fiel zum Ende der Woche auf, dass Scarlet ungewöhnlich still geworden war. "Schatz, was ist denn los? Ist alles in Ordnung? Du weißt, dass du mit mir reden kannst, wenn es in der Schule ein Problem gibt?", fragte ich sie als wir zusammen Hausaufgaben machten.
Scarlet nickte. "Ich weiß, alles ist gut. " Gerade als ich weiter nachhaken wollte, kam Hal herein. "Katie, ist es ok, wenn ich Scarlet mit zu Constance nehme? Sie würde sie unglaublich gerne mal kennen lernen." Als ich sah, wie sich Scarlets Gesicht aufhellte, stimmte ich zu. Eigentlich war es eine gute Idee und ich hoffte, dass ich so auch wieder einen näheren Draht zu Constanze bekommen würde. Die Geschehnisse hatten mich doch traurig gemacht und ich bereute alles sehr. "Lade sie doch einmal zu uns ein, damit wir uns aussprechen können", schlug ich deshalb vor und hoffte, sie würde die Einladung annehmen.
So kam es, dass Constance endlich Scarlet kennen lernte. Hal war stolz auf sie als wäre sie seine eigene Tochter, schließlich hatte er sie mit aufgezogen. Daher war es klar, dass er sie Constance vorstellen wollte, als es zwischen den Beiden wieder besser lief. "Scarlet, das ist Constance. Sie ist meine Freundin, weißt du. So wie du und Kyle." Scarlet sah ihn an als wäre er blöd. "Ich bin 12, ich weiß was ein Freund ist. Constance ist so eine Freundin wie Daddy ein Freund von Mami ist." "Ähm ja,...", er wurde verlegen. "Genau. - Jedenfalls Constance - Scarlet, Scarlet - Constance."
"Ich freue mich so dich kennen zu lernen. Du siehst ja aus, wie dein Daddy! Wunderbar - du musst mir alles berichten, was du erlebt hast. Halten bei deinen Eltern auch die Wasserhähne im Haus? Als ich damals ausgezogen bin waren sie ja schon etwas rostig," begann Constance, die ja immer redete, wenn sie nervös war.
"Constance, nicht vor dem Kind!", brummte Hal, weil er wusste, dass Scarlet das Feuer doch mitgenommen hatte. Ihm kam die Idee, dass es doch nicht so gut gewesen war Scarlet und die neurotische Constance miteinander bekannt zu machen. Es dauerte auch nicht lange bis die Sprache auf das Feuer kam und als Constance erfuhr, dass Kyle auch noch Scarlets bester Freund war, versuchte sie die Kleine aufzubauen. "Ihr habt ja bestimmt genug Rauchmelder installiert und alle Geräte feuerfest gemacht. Es kann also nichts passieren." Als Scarlets Augen groß wurden stockte sie. "Wie ihr hat immer noch keine Rauchmelder installiert? Aber der Kamin hat doch schon einmal Feuer gefangen!" Als Hal sah, dass Scarlet die ersten Tränen kamen zischte er: "Sag so was nicht. Ich mache mir Sorgen um sie, weil sie das Feuer in der Nachbarschaft gesehen hat! Wir sollten jetzt lieber gehen. Ich schau nachher noch einmal vorbei, ok?"
Am Wochenende war es dann so weit. Die kleine Scarlet wurde zum Teenager. Finn und ich gaben uns alle Mühe ihren Geburtstag so schön wie möglich zu gestalten. Ich backte sogar einen Kuchen, was mir vorher noch nie gelungen war. Aber für meine Kleine war mir nichts zu schwer. Finn hatte schon längere Zeit an einem Musikstück geübt, dass er für sie geschrieben hatte und nun vor allen Gästen vortragen wollte. Ich war begeistert und heimlich auch etwas neidisch, weil er sich so viel Aufwand für mich bisher noch nicht gemacht hatte.
Aber auch ich hatte ein wunderbares Geschenk, wie ich fand, für meine Tochter. Die dritte Etage des Hauses wurde bisher nicht genutzt und so hatte ich sie heimlich ausgebaut und ein Reich für sie geschaffen.
Samstag um 15 Uhr trafen dann alle Gäste ein. Wir hatten auch Kyle und Adeli eingeladen, damit Scarlet nicht der einzige Teenager auf der Party war. Adeli war natürlich begeistert und nahm die Einladung gleich an. Schließlich hatte sie zu erzählen, dass sie nach dem Feuer den Feuerwehrmann gedatet hatte. Hach, ich freute mich so für sie.
Auch Finns Gesang war ein voller Erfolg und Scarlet war so gerührt, dass sie ihren Daddy umarmte, was unter normalen Umständen auf keinen Fall cool gewesen wäre. Es gab mir einen Stich ins Herz, dass er sich für mich nie so ins Zeug legte. Irgendwas muss ich falsch gemacht haben, überlegte ich. Ob es mein Veto zum Heiratsantrag war? Vielleicht hatte Finn mir das doch übel genommen. Jedenfalls war momentan nicht viel Leidenschaft in unserer Beziehung übrig geblieben.
Hal hatte wie versprochen Constance eingeladen und ihre Zustimmung vorbei zu kommen zeigte, dass auch sie Interesse an einer Aussprache hatte. "Constance, ich freue mich so, dass du gekommen bist. Mir tut das alles so leid..."
"Stopp Katie, ich bin hier, um ein für alle mal was klar zu stellen. Mir gefällt es nicht, dass Hal hier mit dir unter einem Dach wohnt, aber da Finn ebenfalls hier wohnt kann ich darüber hinweg sehen. Dennoch traue ich dir nicht mal so weit, wie ich Kirschkerne spucken kann." "Ach Constance...", begann ich wurde aber gleich wieder unterbrochen. "Nein, lass mich ausreden. Jetzt wo es scheint, als ob Hal und ich uns wieder näher kommen kann ich dir nur eins raten. Lass deine Finger von ihm und spiel deine Spiele mit Finn oder sonst wem. Das war alles, was ich sagen wollte. Wenn du das akzeptieren kannst bin ich bereit einen neuen Anfang zu wagen, damit du mich überzeugen kannst, dass es sich doch lohnt mir dir befreundet zu sein." Sie sah mich abwartend an.
Ich konnte bloß nicken und war entsetzt, dass sie so schlecht von mir dachte. Es waren doch nur ein paar Küsse gewesen! Also alles halb so schlimm. Und schließlich war doch alles von Hal ausgegangen und sie stellte mich jetzt als Männer fressendes Monster dar.
Scarlet sah einfach toll aus und mir wurde warm ums Herz als es Zeit für den Kuchen wurde. Dennoch keimten in mir Erinnerungen an vergangene Partys hier im Haus auf und ich hoffte, dass diese nicht so ein Desaster werden würde, wie die letzten. Schnell zündete ich die Kerzen an und rief alle zusammen. Doch als Scarlet dann die Kerzen ausblasen sollte wurde sie ganz bleich und lief davon. So viel dazu. Finn lief ihr nach: "Scar, was ist denn? Du wirst doch nicht etwa Angst davor haben älter zu werden?", versuchte Finn zu scherzen. "Was sollen deine Mutter und ich dann erst sagen." "Das Feuer, ich mag es nicht", begann Scarlet. "Es hat Kyles Haus zerstört. Was ist, wenn es bei uns auch wieder brennt? Hal hat auch Angst davor und er ist immerhin ein Polizist."
"Das macht dir Sorgen?", sagte Finn erstaunt. Dem Polizisten dreh ich den Hals rum! Innerlich kochte er vor Wut. Wer wusste schon, welche Flausen Hal Scarlet ins Ohr gesetzt hat.
"Ich schlage dir was vor. Du gehst jetzt runter und pustet die Kerzen aus, deiner Mami und mir zu Liebe. Ich passe auf, dass nichts passiert. Du vertraust mir doch, nicht wahr?" Scarlet nickte. "Aber morgen will ich Rauchmelder in jedes Zimmer haben!" "Gut, morgen kümmern wir uns direkt um Rauchmelder. Kein Problem. Und jetzt puste deine Kerzen aus." Das tat sie dann auch und wurde somit zum Teeni.
So verlief die Party doch noch nach Plan, aber abends als Scarlet schlafen gegangen war saßen wir Erwachsenen noch zusammen. "Hal, willst du uns nicht was erklären?" Ich merkte, dass es in Finn extrem brodelte. So wütend hatte ich ihn bisher nur einmal gesehen und da hatte ich ihm gestanden, dass ich ihn hintergangen hatte. "Was ist denn los?", fragte ich, um Ruhe bemüht.
"Das kann Hal sicher besser erzählen als ich!" Hal war in Zwischenzeit blass geworden. "Ich weiß nicht, was du meinst. Ich habe Katie nicht angerührt, falls du das denken solltest." "Nein, das denke ich nicht! - Aber Gott bewahre, wenn du das noch einmal machst!" Als Hal nichts mehr sagte fuhr Finn fort. "Nein, unser lieber Polizist hat Scarlet ins Ohr gesetzt, dass unser Haus nicht sicher vor Feuer ist! Jetzt hat sie Angst, dass es hier brennen könnte und wir dann alle obdachlos sind."
"DNA-Profiler, wenn schon." "Hal stimmt das? Hast du das zu Scarlet gesagt?", fragte Ben. "Na ja, nicht direkt. Ich sagte, dass mir Feuer Angst macht und sie hat mir zugestimmt. Das war alles." "Er lügt", presste Finn hervor. "Ich sehe es in seinen Augen." "Nein, ich lüge nicht!" Als er merkte, wie wir ihn anstarrten stammelte er: "Gut, da ist noch was. Constance hat sie gefragt, warum wir keine Rauchmelder installiert haben... Es war nicht meine Schuld und wir sind dann auch sofort gegangen."
"Ich bringe sie um", murmelte Ben. "Einem Kind solche Angst zu machen!" "Er ist schuld!", rief Finn aus. "Und so jemand wie du darf Polizist spielen!" "Ich bin DNA-Profiler!" "Schluss jetzt, ihr weckt Scarlet noch auf." Ich seufzte. "Also haben wir jetzt einen Teenager mit panischer Angst vor Feuer im Haus. Das ist natürlich ein Problem, aber immer noch besser als wenn sie plötzlich schwanger nach Hause kommt oder Drogen nimmt. - Ich schlage vor wir beruhigen uns jetzt alle und ich kümmere mich um die Sache."
Am nächsten Morgen kam Finn frühstücken, während ich mir Rat per Internet einholte, was wir im Fall Scarlet machen konnten. "Dr. Uff hat mir gerade mitgeteilt, dass wir Scarlet in allem so gut es geht unterstützen sollen. Sie würde von selbst über diese Angst hinwegkommen, wenn wir sie lassen."
"Wir sollen sie einfach in Ruhe lassen? Was ist denn das für ein Arzt? Bestimmt kein Guter." "Ach was, ich halte den Vorschlag für gut. Sie wird schon selbst wissen, wie sie damit umgehen soll, sie ist doch mittlerweile fast erwachsen." "Wie die Zeit vergeht...", schwelgte Finn in Erinnerung. "Irgendwie kommt es mir wie gestern vor, dass du mir gesagt hast, sie wäre mein Kind." "Und jetzt sage ich dir, wir unterstützen sie, wo es nur geht und bald ist die Phase überwunden."
Ich bereute, dass ich den Rat von diesem Quacksalber angenommen hatte. Nichts wurde besser und Scarlet kam ganz und gar nicht von alleine darüber hinweg. Jedes Kaminfeuer erschreckte sie so sehr, dass sie fast in Ohnmacht fiel. Irgendwann rückte sie aber dann damit heraus, dass es ihr helfen würde, wenn sie sich sicher sein könnte, dass das Haus feuerfest sei. Wir versprachen ihr in jedem Raum einen Feuermelder aufzuhängen, aber das reichte ihr nicht. Sie musste selbst nachprüfen, ob jeder Gegenstand feuerfest war und wenn nicht, dann wollte sie selbst das Problem beheben. Nur zögernd stimmten wir ihr zu und so begann sie mit ihrem Werk. Aber um das selbst zu kontrollieren musste sie sich einige Tage in der Bibliothek verschanzen, damit sie die nötigen Fähigkeiten dafür hatte.
Hausaufgaben machten ihr weniger Spaß.
Aber dann konnte es endlich losgehen. Sie kontrollierte den Herd....
...und schließlich den Kamin auf Sicherheit.
Und weil sie nachts von einem Wasserschaden geträumt hatte prüfte sie auch gleich alles, was irgendwie tropfen könnte. Wir mussten dabei tatenlos zusehen, aber uns fiel auf, dass es ihr mit jedem neuen gesicherten Gegenstand besser ging.
Dennoch war Finn noch nicht vollständig beruhigt. Eines Abends kam er zu mir und erzählte mir, dass er eine grandiose Idee hatte. Ich seufzte. Na, das konnte was werden. "Katie, ich weiß was wir für Scarlet tun können." "Wieso, es geht ihr doch schon besser. Lass sie doch einfach in Ruhe, sonst überwindet sie nie diese Phobie." "Genau, sie wird sie nie überwinden, wenn ich nicht jetzt eingreife und ihr helfe. Ich habe von einem Arzt in China gehört, der ein spezielles Heilmittel für solche Fälle hat."
"Du nimmst meine Tochter nicht mit nach China zu einem Quacksalber...", fuhr ich auf.
"Oh doch, das werde ich, denn schlechter als dein Dr. Uff kann er ja nicht mehr sein!" "Da ist er wieder, der rechtschaffene Finn. Es war ja klar, dass du dich durchsetzen musst! Sie ist meine Tochter und sie bleibt hier!"
"Ich habe mir lange genug angesehen, wie sie leidet! Sie kommt mit und du wirst das nicht verhindern können!" So kam, was kommen musste. Nachdem ich stinksauer beobachtet hatte, wie Finn meine Tochter nach China brachte, blieb ich wütend zu Hause zurück.
Finn und Scarlet waren zwei Tage gewandert, bis sie in einem kleinen Dorf angekommen waren. Hier sollte angeblich der Wunderheiler leben, der Scarlet die Angst vorm Feuer nehmen sollte. Dr. Hui war sogar für die beiden zu sprechen. Später sollte sich herausstellen, dass das kein Wunder war. "Dr. Hui, hier ist Scarlet - bitte heilen Sie sie. Wir sind extra den weiten Weg aus Riverview gekommen", erklärte Finn freundlichen und schob Scarlet Richtung Doktor.
"Scarlet, so so. Ich kann sie heilen - für, hmmm tja", er sah sie abschätzend an. "Für 50000§!" Finn keuchte. "Waas?!"
"Nichts gibt es umsonst, Mr. Finn", lächelte der Arzt nachsichtig. "Komm, Dad, lass uns gehen. Das ist Blödsinn hier. Der Mann ist ein Hochstapler." Scarlet zog Finn aus der Hütte. "Verdammt, wie soll ich das nur deiner Mutter erklären", brummte er.
Ich hatte die ganze Zeit furchtbar schlechte Laune. In der Stadt traute sich niemand mich anzusprechen, aber einer, der mir quer kam (den kannte ich gar nicht) bekam direkt eine Abreibung. Das tat gut.
Wenig später rief mich George Dean an, der Sim, mit dem ich ein wunderbares Date gehabt hatte, bevor ich mich mit Finn versöhnte. Natürlich hatte er davon gehört, dass es in der Zwischenzeit Scarlet gab und sie mittlerweile schon Teenager war. Gleich berichtete ich ihm ihre Angst vor Feuer und dass Finn nun mit ihr nach China unterwegs war, um ein Heilmittel zu finden.
"Katie, das ist eine wunderbare Idee von Finn. Endlich ein Vater, der sich auch um seine Tochter kümmert, obwohl ihr nicht verheiratet seid." "Hä, wieso sollte er sich denn nicht kümmern?" "Weil er ursprünglich keine Rechte an deiner Tochter hat. Er kann ja noch nicht einmal wissen, ob sie von ihm ist, weil ihr gar nicht wirklich zusammen wart in der Zeit." So hatte ich das Ganze noch gar nicht gesehen. "Jetzt wo du es sagst...", begann ich, aber George lachte nur.
"Ich gebe dir jetzt einen Rat, Katie. Männer sind einfacher gestrickt als man glaubt. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich bin selbst einer. Geradeheraus reden ist das Beste, was du machen kannst."
Als Finn und Scarlet zurück kamen wartete ich bereits auf sie. Meine Wut war nach dem Telefonat verflogen und ich wollte die Beiden nur noch umarmen und willkommen heißen. Als ich Scarlets Grinsen sah und Finns zerknirschte Miene wusste ich schon, dass irgendwas vorgefallen sein musste. Schnell begrüßte Scarlet mich und rannte dann rein zu Hal und Ben. Finn und ich standen uns wieder einmal gegenüber und wussten nicht, was wir sagen sollten. "Tja, da sind wir wieder", begann er dann vorsichtig. "Da seid ihr wieder", stimmte ich zu. "Wie war die Reise?"
"Oh, sie war ganz wunderbar. Scarlet geht es besser denn je. Schließlich hatte sie die ganze Rückfahrt einen Lachkrampf, weil ich mich so lächerlich gemacht habe." Ich umarmte ihn. "Nimm es nicht so schwer. Ich verzeihe dir."
"Der _Arzt_ wollte 50000§ für seine Dienste, kannst du das glauben?!" "Nein, wirklich? Damit hätte ich gar nicht gerechnet."
Scarlet ging am nächsten Tag wieder zur Schule und traf dort überraschenderweise Aileen, ihre Tante, die im selben Alter und Katies kleine Schwester war. Völlig begeistert brachte sie Aileen mit nach Hause, damit sie Katie treffen konnte. "Hallo, Schwester. Ich bins - Aileen."
Katie kamen vor Begeisterung die Tränen. "Wie wunderbar. Ich freue mich so."
Eine Weile sprachen sie miteinander und dann kam die Sprache auf Scarlets Phobie. "Wir wissen nicht mehr, was wir machen sollen. Finn war mit ihr sogar in China, aber das war auch ein Reinfall."
"Schickt sie doch zur Feuerwehr", meinte Aileen lächelnd. "Die werden ihr schon zeigen, wie sicher man ist, wenn man einen Rauchmelder hat."
Das war es. "Dass wir da nicht selbst drauf gekommen sind!", stöhnte Katie und bedankte sich bei Aileen für den grandiosen Tipp.
Auch Scarlet war von der Idee völlig begeistert. Einzig und allein Finn hatte wieder einmal ein Problem mit der Sache. "Nein, Scar, ich hab gesagt, das ist zu gefährlich!", brüllte er sie an.
"So ein Quatsch, es könnte mir helfen. Willst du nicht, dass ich gesund werde?" "Natürlich will ich das, Schatz, aber nicht bei der Feuerwehr!" Scarlet kamen die Tränen. "Bitte Daddy, ich möchte doch so gerne"
Ja, sie wusste halt, wie sie ihn überzeugen konnte und so stimmte er letztendlich unter der Bedingung zu, dass er selbst dabei sein konnte.
Wir alle ließen uns das nicht nehmen und fuhren gemeinsam zur Feuerwehr. Wir wollten alle die Feuerwache besichtigen, während Scarlet mit einem der Leute dort sprach.
Scarlet unterhielt sich lange mit einem der Feuerwehrmänner. Dieser war sehr geduldig und nach einer größeren Spende sogar bereit ihr alle Mittel gegen Brände zu verraten.
Nachdem es unserer Tochter endlich wieder gut ging machten wir es uns im neuen Wirlpool gemütlich. "Ich bin so froh, dass wieder alles gut ist", erklärte Finn "Ich auch und weißt du was - ich hab noch einmal nachgedacht und deine Idee ist vielleicht doch nicht so schlecht."
"Welche Idee meinst du? Ich hatte so viele Großartige in letzter Zeit." Ich lachte. "Ja, besonders die Reise nach China war ganz großes Kino! - Nein, ich meinte die von vor vier Wochen."
"Oh die - und was hast du dazu zu sagen?". Er zog die Augebraue fragend hoch und grinste. "Nur ein Wort: Ja."
ENDE der Aufgabe 6. Bis dann, Eure Katie *E>* |
|
|
2009-2011 - Alle Gemeinsamkeiten mit realen Personen sind zufällig. |